The Football Factory: Bud Spencer war vorgestern

Prügelfilme sind ja eigentlich nichts so mein Ding. Für The Football Factory habe ich da eine Ausnahme gemacht. Und zwar weil die Werbetexter mir auf dem DVD-Umschlag klar machen wollten, dass mir der film sicher gefalle, wenn ich auch Fight Club und Trainspotting gut fände. Ja, das tue ich und so kaufte ich mir den Streifen zum Thema Fussball-Hooligans.

Der Inhalt des Film ist relativ rasch erzählt. Es geht um Männerfreundschaften, Bier, Drogen, Sex und die wichtigste Sache im Leben eines Hooligans: anderen die Birne einschlagen. einfach so, zusammen mit Freunden. einfach weil man Spass dabei hat, weil man den Adrenalinkick braucht.

Und was macht diesen Film für mich nun sehenswert? Auch das ist relativ simpel zu erklären: man soll die Sinnlosigkeit des Tuns eines Hooligans sehen. Man soll nachvollziehen, dass es den Hooligans nicht im geringsten um Fussball, ihr Team geht. Sondern nur um beknackte Schlägereien. Stellst sich mir schon die Frage, was für ein Lebensinhalt kann das sein? Wie ticken diese Leute? Viele der Hooligans haben Familie, haben einen festen Job und benützen die Strassenschlachten als Ventil.

Von mir aus sollen sie das ja auch dürfen; Luft ablassen meine ich. Ich Himmelherrgott nicht im Rahmen einer Sportveranstaltung. Schauen wir nach Italien. Es stirb ein Polizist bei Ausschreitung zwischen Ultras und der Polizei. Was geschieht? Italien ist empört. Die Liga pausiert ein paar Spiele. Es müsse etwas geschehen, sind sich alle einig. Passiert ist nichts. Die gleichen Dumpfbacken sind wenige Wochen später wieder in den Stadien. Werden sogar gedeckt von ihren Clubs im Sinne von «ohne Fans keine Spiele». So ein lächerlicher Scheiss. Das sind doch keine Fans. Letzthin stirbt ein Fan durch die Kugel eines Polizisten. Wieder ist die Empörung gross im Nachbarland, im Land des Weltmeisters. Passieren wird doch wieder nichts. Liebe Freunde im Sünden: Ultras, Hooligans und generell Menschen, die sich nicht zu benehmen wissen, gehören nicht an eine Sportveranstaltung, sondern eingesperrt (Hooligans). So einfach ist das. Lebenslängliches Stadionverbot. Aus die Maus. Schluss mit lustig.

Wieso rege ich mich eigentlich so auf? Es müssen nicht immer die Italiener oder Briten sein. Letztes Jahr habe ich selber am Rande einer Massenschlägerei gestanden. Und zwar im Eishockeystadion in Davos. Mit meiner Freundin zusammen wollten wir ein Spiel der Finalserie zwischen dem HC Davos und SC Bern sehen. Glücklicherweise kamen wir noch zu Karten, allerdings nicht bei den HCD-Fans, sondern in der Familienzone hinter der dem Tor. Von beiden Seiten von Stehplatzfans aus Bern eingepfercht. Irgendwann im Mitteldrittel ging’s dann los. Es kam Bewegung in die Fanecke und und plötzlich wurde es nass. Bier flog durch die Gegend und irgendwo ballgten sich ein paar Dumpfbacken. Die Familien auf den Sitzplätzen packten ihre Sachen zusammen und die Kinder am Arm und verliessen die Kampfarena schleunigst. Ordnungshüter schauten zu und warteten, bis sich die Lage wieder ein wenig beruhigt hatte. Manch eine Familie wird so schnell kein Stadion mehr betreten mit Kindern. Und die Kindern werden wohl auch nicht so schnell wieder mitkommen.

Und ich meine, das war ja eigentlich noch nichts, im Vergleich zu dem was sich Woche für Woche im Umfeld von Eishallen und Fussballplätzen abspielt. Bei uns, hier in der friedlichen Schweiz. Und nächstes Jahr feiern wir die Europameisterschaft. Fragt sich bloss in welcher Disziplin.

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