Emily Benedek: die letzte Plage

Was gibt es schlimmeres, als die Vorstellung, mit einem Flugzeug abzustürzen. Gefangen in einem Hightech Käfig und chancenlos, ein Warten auf das Unvermeindbare – den Tod. Unzählige Bestseller haben das Spiel mit diesen Ängsten bereits perfekt beherrscht, «die letzte Plage» von Emily Benedek reiht sich da für mich nahtlos ein.

47 Passagiere und Besatzungsmitglieder finden den Tod beim Absturz einer Convair-Coronado der Schweizerischen Luftverkehrsgesellschaft Swissair. Im Frachtraum der Düsenmaschine wurde kurz nach dem Start in Kloten über Brunnen eine Explosion im Frachraum registriert. Das Ziel Tel Aviv in Israel rückte in weiter Ferne, die sofortige Umkehr nach Zürich wurde angestrengt. Vergeblich. In der Nähe von Würenlos im Kanton Aargau stürzte die Verkehrsmaschine in der Nähe des Atomforschungsreaktors in ein Waldstück. Wenige Minuten zuvor hatte sich der Pilot mit den Worten verabschieden: «Wir können nichts mehr machen. Danke vielmals. Lebt wohl». Schnell bekannte sich das «Allgemeine Kommando der Volksfront für die Befreiung» zum Anschlag. Und gleichentags ereignete sich ein verblüffend ähnlicher Zwischenfall mit einer Caravelle der Austrian Airlines. Ebenfalls kurz nach dem Start explodierte ein Sprengsatz und riss ein Loch in den Rumpf. Glücklicherweise gelang eine Notlandung, so dass keine Toten zu beklagen waren. Zufall?

Ängste und Terrorismus

Diese Geschichte ist nicht erfunden, sondern hat sich tatsächlich so ereignet. Am 21. Februar 1970. 37 Jahre bevor die Journalistin Emily Benedek ihren ersten Roman, die letzte Plage, veröffentlicht hat. Geschickt spielt die Autorin mit unserem Urängsten und reichert die Geschichte mit terroristischen Bedrohungen an. 9/11 ist noch nicht in weiter Ferne und wir alle erinnern uns an die gekaperten Flugzeuge, die ins World Trade Center in New York donnerten und den Kampf gegen Terrorismus in eine neue Dimension katapultierte. Benedek lässt vier Flugzeuge beinahe gleichzeitig explodieren, als Ziel eines terroristischen Anschlags, ausgeführt durch eine Gruppe arabischer Fanatiker. Und immer wo arabische Terroristen am Werk sind, darf der israelische Geheimdienst nicht fehlen. Und so begleiten wir eine hübsche Journalistin und einen ehemaligen israelischen Geheimdienstagenten auf der Spurensuche. Ein veritabler Agententhriller beginnt, interessante Nebenschauplätze, persönliche Verstrickungen und bekannte geschichtliche Begebenheiten geben der ohnehin schon brisanten Geschichte zusätzliche Würze. Und so plätschert die Story nicht einfach vor sich hin, sondern fesselt den Leser ungemein.

Gut und Böse as usual

Wäre nicht die klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse, hätte der Plot von mir das Prädikat Weltklasse verdient. Aber eben, von Anfang an ist klar, das die arabischen Terroristen Grundböse sind und ihre Motive verwerflich, so sie denn überhaupt welche besitzen. Die USA tritt kaum in Erscheinung, unterstützt aber irgendwie inoffiziell die ebenfalls inoffiziellen Machenschaften Israels. Israel, das mit ebenso grausamen Methoden in unserem Weltbild für die Wahrung des Friedens steht. Israel, das mit massiver Waffengewalt für Sicherheit sorgt. Für meinen Geschmack ist das alles ein wenig einfach skizziert – aber vermutlich läuft es eben genauso ab. Arabische Terrororganisation bekennen sich öffentlich als Schurken und werden dadurch von uns gesamthaft in den brodelnden Barbarentopf des Teufels geworfen. Und – der Zweck heiligt die Mittel – die westlichen Nationen kämpfen für den Frieden und stehen damit als Helden da, egal wie wie viel verbrannte Erde sie hinterlassen.

Realitätsnah und nachvollziehbar

Die Vereinfachung des politischen Pulverfasses ist es vermutlich, weshalb sich der Roman so spannend liest. Alles ist nachvollziehbar. Und realitätsnah gezeichnet. Es gibt zu viele Beispiele, die solche Szenarien realistisch erscheinen lassen, als dass man sie ins Reich der Phantasie abschieben könnte. Ich kann den Schmöker nur empfehlen, ich konnte das Buch nicht mehr aus den Händen geben.

Verwandte Blog-Einträge

Kommentare

Leave this field empty
Ihren Kommentar hinzufügen

Falls Sie abonnieren, werden alle neuen Kommentare zu diesem Thema an Ihre E-Mail-Adresse gesandt.

TrackBacks

Es gibt keine Trackbacks für diesen Eintrag.

Trackback URL dieses Eintrages:
http://www.samelis.ch/blog/mischa/trackback.cfm?id=E02015CB-D318-42F7-BD12CDAE532841A3