Selbstdeklaration am Zoll nicht vergessen

Selbstdeklaration von mitgeführten Waren, das war bis gestern auch rechtliches Neuland für mich. Seit Jahr und Tag gehe ich regelmässig ins nahe gelegene Konstanz auf der deutschen Seite einkaufen. Und seit kurzem weiss ich auch, was es mit der Selbstdeklaration auf sich hat. Den Begriff sollte man sich merken, denn es kann Folgen haben.

Obwohl ich schon zigfach ennet der Grenze eingekauft habe, mit den Einfuhrbestimmungen tue ich mich immer ein wenig schwer. Und so kann ich mir beim besten Willen nicht merken, wo ich nun welchen Zettel abzustempeln habe, wenn überhaupt. Ja es gab sogar Zeiten, da habe ich absichtlich auf den Warenausfuhrschein und damit die Rückvergütung der Mehrwertsteuer verzichtet, nur um nicht am Zoll von Beamten mit kritischen Blicken noch mehr verunsichern zu lassen. Unsicherheit vor Beamten weckt Misstrauen, und Misstrauen macht unsicher – ein Teufelskreis, dem ich mich oft lieber entzogen habe.

Die Verunsicherung beginnt

Nicht so diese Woche. Da habe ich mich wieder einmal getraut, das volle Programm durchzuziehen. Und so bin ich mit der schweren Einkaufstüte selbstbewusst am Hauptzoll Kreuzlingen/Konstanz durch die Tür ins Zollbüro auf der deutschen Seite geschritten. Der Beamte würdigte mich desinteressiert keines Blickes. Doch ich spürte bereits ein kleines Kribbeln. Denn auf dem Tresen lag kein Schreibgerät und ich hatte den Warenausfuhrschein im Ladengeschäft nicht bereits ausgefüllt. Und das mögen die Zöllner nicht besonders, so viel wusste ich bereits aus Erfahrung. Und dann fehlt auch bloss ein Kugelschreiber und schon fallen die Schultern ein wenig nach vorne. Was vom Beamten sofort bemerkt und einem Fingerzeig in Richtung Schreibecke kommentiert wird. Nochmals gut gegangen. Leider vergesse ich die Einkaufstasche vor dem Schalter, was natürlich nicht schlimm gewesen wäre, hätte nicht gerade eine ältere Dame die gute Stube betreten. Keine ruckartigen Bewegungen, Dame wie Zöllner hätten dies als feindliche Handlung werten könnten. Sicher hätte ich Misstrauen erweckt. Und das war etwa das Letzte, das ich bei dieser Bruthitze noch gebraucht hätte. Bereits klatschnass füllte ich das Formular in Blockschrift aus, immer wieder über die Schulter kontrollierend, ob sich die alte Dame nicht mit meinen Einkäufen aus dem Staub gemacht hatte. Hatte Sie natürlich nicht. Es konnte also zum Showdown zwischen dem Zöllner und mir kommen. «Ich hoffe alles korrekt ausgefüllt zu haben», lockte ich den Beamten wieder in meine Richtung. Offensichtlich hatte er nicht gedacht, dass ich das Formular noch an diesem Tag fertig ausfüllen könnte. «Na wenn Sie den Namen richtig schreiben können, dann ist das schon einmal ein Anfang», blökte er zurück. Doch zum Scherzen war mir gar nicht zu Mute. «Und jetzt noch zum Schweizer Zoll?», wollte ich wenigstens die nächsten Schritte klären. Was ich denn dort drüben wolle, dort sei niemand, pflasterte er mir ein grosses Fragezeichen ins Gesicht. Wie, da ist niemand, da ist die Schweiz, da kennt man mich, denke ich, frage aber zurück «Hitzefrei oder was?». Nein, der Zollübergang sei nicht mehr besetzt, Selbstdeklaration, erklärt der Uniformierte. Und irgendwie spüre ich ein wenig Neid. Aha, Selbstdeklaration also. «Und was bedeutet das für mich?» will ich nun doch genauer wissen. «Was haben Sie denn dabei?» war nicht gerade die Antwort, die mich weiter brachte, zumal der mittlerweile schon fast als geschwätzig einzustufende Zöllner mir gerade die Ausfuhr von Waren bescheinigt hatte. Dies und das für 140 Euro hatte ich in den Taschen – und bis 200 Euro (rund 300 Franken) hätte ich nichts zu Deklarieren, wurde mir versichert.

Aufgepasst mit der Selbstdeklaration

«Aber passen Sie auf, junger Mann. Vergessen Sie nie die Selbstdeklaration. Denn manchmal warten die Schweizer Beamten 100 Meter nach dem Zoll und kontrollieren dies!», warnte mich meine neue Vertrauensperson des deutschen Rechtsstaats. «Vielen Dank für den Tipp und noch einen schönen Tag», verabschiedete ich mich. Und vergass leider zu fragen, ob ich nun den Grenzübergang auf dieser Seite oder wie bisher auf der mittlerweile unbewachten Schweizer Seite überqueren müsste. Macht der Gewohnheit entschied ich mich für die nicht mehr besetzte Schweizer Passage.

Und prompt: so war’s

Ob’s daran lag, oder ob ich mich einfach zu lange im Büro der Deutschen aufgehalten hatte, Zufall oder einfach Routine: ziemlich genau 100 Meter nach dem Zoll tönte aus einem neutralen Fahrzeug: «Junger Mann, was führen Sie mit und dürfen wir einmal sehen?». Was für eine Achterbahn für meine Nerven an diesem elend heissen Sommertag. Die Schweizer Kollegen hatten mich nun also auch im Visier. Und hätte ich etwas zu Deklarieren gehabt, ich hätte wohl auch die Selbstdeklaration ausgefüllt. Was aber nicht nötig war. Den Spass von wegen «Der Deutsche Kollege habe recht behalten mit seinen 100 Metern» haben sie nicht annähernd lustig gefunden. Und irgendwie war ich richtig froh, als das Telefon des eidgenössischen Zollbeamten die ungemütliche Situation, verursacht durch völlig unmotivierten Übermut meinerseits, aufgelöst hat. Immerhin werde ich nun immer an die Selbstdeklaration denken, und hoffe, dem einen oder anderen geneigten Leser wird es ebenso ergehen.

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